Laranjal – die ruhige Seite von Quinta do Lago

20. März 2013 | Von | Kategorie: golfplätze, golfplätze europa

Wer in Golferkreisen den Namen des Resorts „Quinta do Lago“ an der portugiesischen Algarve hört, denkt sofort an feine Villen, hochpreisige Shops sowie Restaurants – und natürlich an die dort vorhandenen Golfplätze besten Rufs. Zu dem South- als auch dem North Course, dem mittlerweile auf 27 Spielbahnen aufgebohrten Platz „Pinheiros Altos“ und dem schon legendären „San Lorenzo“ dieses feinen Golfareals gesellte sich vor einiger Zeit ein neuer Ableger. Im Jahre 2009 öffnete „Laranjal“ seine imaginären Pforten für das Publikum. Diese 18 Spielbahnen werden das momentane Schattendasein als Geheimtipp unweigerlich schnell verlassen – dessen bin ich mir sicher.

Hin und weg

Dem, der sich aufmacht, „Laranjal“ zu besuchen, soll gleich eine kleine Warnung mit auf den Weg gegeben werden. Zwar gehört dieser neue Kurs zum nicht nur an der Algarve bekannten „Quinta do Lago“-Resort, doch tut man gut daran, besser von der nördlichen Seite anzureisen. Die Anfahrt vom Zentrum des Resorts im Süden gleicht eher einer kleinen Expedition auf immer mickriger werdenden Pfaden durchs heimische Unterholz. Viel angenehmer, sogar auf frisch geteerter Straße, gelangt der Laranjal-Besucher vom Ort Almancil aus. Ein Schwenk Richtung Süden von der Aorta der Algarve, also der Nationalstraße N 125, aus folgend dem üppigen Wegweiser führt direkt am Platz vorbei zur Einfahrt.

Blendend weiße Bunker und welliges Fairway auf der Bahn 6 - einem 478 m langen Par 5

Blendend weiße Bunker und welliges Fairway auf der Bahn 6 – einem 478 m langen Par 5

Wundern über komische Gebahren sollte man sich bei der Ankunft nicht. Ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht hier der Servicegedanke. Was in Deutschland nurmehr eher unüblich ist, wird hier gelebt: Im Laufschritt oder per Maxi-Cart verfolgt einer der stets eifrigen Clubmitarbeiter den Neuankömmling schlagartig bis auf den Parkplatz – um ihn sofort freundlichst zu begrüßen und ihm das Golfbag aus der Hand zu reißen. Das ist mal ein echter Valet-Service.

Irgendwie ungewohnt wirkt der Platz schon beim Vorbeifahren – etwas scheint hier zu fehlen. Richtig, denn völlig untypisch für die Golfplätze an der Algarve (und erst recht denen an Spaniens Costa del Sol) ist nämlich hier weit und breit nicht ein einziges Gebäude, keine Fairwayvilla oder sonst ein nicht in diese naturnahe Umgebung passendes Gebilde zu sehen. Dies war aber auch eine zwingende Auflage, ohne dessen Erfüllung der Bau dieses neuen Platzes gar nicht genehmigt worden wäre. Nur ein kompaktes Clubhaus wurde den Planern hier zugestanden. Etwas musste auch wieder hergestellt werden, was es hier vorher zur Genüge gab: Die schöne Orangenbaumplantage, die vor dem Baubeginn entfernt wurde. Daraus ergab sich auch gleich der Name „Laranjal“, der im Portugiesischen als das Synonym eben für Orangenbäume steht.

Das etwas andere Design – nur schöner

Wasser, ein hübscher Strandbunker, knapp geschnittenes Grün - ein konzentrierter Schlag ist Pflicht an Bahn 11 als 170 m langes Par 3

Wasser, ein hübscher Strandbunker, knapp geschnittenes Grün – ein konzentrierter Schlag ist Pflicht an Bahn 11 als 170 m langes Par 3

Der neue Platz sollte eine verschmolzene Einheit mit der Natur werden. Der richtige Mann für dieses Vorhaben war der portugiesische Architekt Jorge Santana da Silva mit seinem Planungsbüro in Lissabon – nicht nur in Portugal als Platzdesigner bekannt. Er arbeitete schon mit Größen wie Cabell B. Robinson Hand in Hand und pflegt ebenso eine planerische Partnerschaft mit dem Architekten David Krause, der speziell in Norddeutschland kein unbeschriebenes Blatt ist. „Plätze designt von US-Architekten haben wir in der Gegend schon zur Genüge“, sagte mir der 2009 verantwortliche und nun seit 2012 erneut federführende Golfdirektor Nuno Gonçalves. Er führte weiter aus: „Jorge ist flexibel wie auch erfahren und weiß, dass genau hier ein solches Layout nicht hin gehört.“

Was nun zum Schluss daraus entstanden ist, kann sich mehr als sehen lassen. Der Vorteil für Santana da Silva war eine, wie er es nannte, „carte blanche“ vom Direktor des Resorts. Bedeutete: Kein Limit bei den Ausgaben, sondern nur die Vorgabe, einen Platz mit Referenzcharakter zu kreiieren. Beleibe ergab sich daraus kein Platzlayout mit simplem Einerlei, sondern eine stets neue Herausforderung von Bahn zu Bahn, die spielerische Strategie und ein richtiges Angehen in den Vordergrund stellt. Die strahlend weißen Bunker schmerzen bei Sonnenlicht fast in den Augen und tiefgrüne Fairways wie penibelst gestutzte Penn A4-Grüns lassen den Spieler unbewusst in Vorsicht verfallen, diese durchgehend sehr gepflegten Oberflächen nicht unnütz zu malträtieren. Wer den Par 72-Kurs von den gelben Abschlägen spielt, freut sich zumindest über die nur 5.685 Meter Gesamtlänge und vor allem – wenig Rough.

Kein Stilbruch durch Bunker

Eine wohlgeformte Uferböschung und die idyllische Lage prägen das 15. Grün des 163 m langen Par 3

Eine wohlgeformte Uferböschung und die idyllische Lage prägen das 15. Grün des 163 m langen Par 3

Fast alle Bahnen auf dem insgesamt sanft ondulierten Gelände präsentieren sich mit welliger Oberfläche, sodass sich trotz vermeintlicher Ebenheit bei einem Folgeschlag Schräglagen ergeben können. Viele der Teeboxen sind erhöht angelegt, was nicht gleich zum breitbandigen Streuen anregen soll. Denn trotz schöner Aussicht ist immer Genauigkeit gefragt. Die auf dem Gelände beim Bau neu angelegten Teiche, durch die starke Blautönung fast mit einem Touch des nahen Atlantik einhergehend, machen das Spiel sicher nicht leichter – aber wirklich sehr abwechslungsreich. Zudem wurden diese Wasserhindernisse mit kleinen und ansprechend gestalteten Bachläufen miteinander verbunden. Das wirkt sehr schön, führt in der Praxis aber auch schnell einmal zu Ballverlusten oder Strafschlägen.

Alle Bunker Laranjals – und das sind nicht gerade wenige – sind nicht nur optisch hervorstechend, sondern auch spielerisch ein Erlebnis. Sogar für Golfer mit einer chronischen Sandphobie ist es ein Erlebnis, das Wedge durch diese feine und konsistente Masse gleiten zu lassen. „Den weißen und pulverförmigen Sand à la Augusta lassen wir uns aus der Region Lissabon liefern“, betonte Gonçalves, denn den gäbe es in dieser Gegend nicht. Seine Ansprüche waren auch anfangs schon hoch: „Ein perfekter Pflegezustand, umfangreiche Serviceleistungen und schon beim Empfang der Gäste eine natürliche Freundlichkeit des Personals“ sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Diese spürbar ungekünstelte Herzlichkeit der Mitarbeiter Laranjal’s gepaart mit unaufdringlicher Aufmerksamkeit auf Clubhausterrasse, im Pro Shop und sogar unterwegs auf dem Platz macht einfach Freude. So lassen sich schlechte Schläge auch schnell vergessen.

Blick vom erhöhten 16. Tee: Hier vereinen sich sämtliche Einzelemente des Platzes harmonisch zu einem 471 m langen Par 5 als Dogleg nach rechts

Blick vom erhöhten 16. Tee: Hier vereinen sich sämtliche Einzelemente des Platzes harmonisch zu einem 471 m langen Par 5 als Dogleg nach rechts

Der „Quinta do Lago Laranjal“ ist eine nachahmenswerte Lösung als Paradebeispiel für einen sehr ruhigen und passgenau in die Natur eingebetteten Platz, der Freude macht. Ohne Frage wird er eine rosige Zukunft haben und sicher viele, die sich hierher verirren, zum Staunen bringt. Und weil die Spielbahnen überwiegend im echten Stadium Style mit breiten und teils höher liegenden Auslauf- und Reserveflächen angelegt wurden, würde er sich wohl bestens für ein hochklassiges Profi-Event eignen. Mal sehen, welcher der Tourplaner es zuerst bemerkt …

Infrastruktur mit Übersicht

Anspruchsvolle Lage des Grüns der No. 9 nahe des Clubhauses - einem kurzen Par 5 mit gut 400 m Länge

Anspruchsvolle Lage des Grüns der No. 9 nahe des Clubhauses – einem kurzen Par 5 mit gut 400 m Länge

Dem eher kompakten, aber architektonisch schicken Clubhaus in Würfelform wurden ursprünglich nur 20 Monate Bestandszeit nach der Eröffnung zugestanden, bevor es durch ein größeres Objekt ersetzt werden sollte. Beim letzten Besuch im Sommer 2011 war es jedoch immer noch vollends erhalten und unverändert in Betrieb. Und immer noch besonders entspannend: Ein leckerer Cappuccino auf der Clubhausterrasse mit Blick auf das neunte Grün.

Eines wurde aber definitiv und gut sichtbar fertiggestellt: die üppige Driving Range samt eines gepflegten Trainingsbereiches. Das Areal liegt gegenüber des Platzes auf der anderen Straßenseite und darf, auch für Gäste, kostenlos genutzt werden, wenn im Clubhaus die notwendigen Rangebälle (Titleist) bezahlt werden. Die türmt dann der nette Ranger auch an gewünschter Stelle als kleine Pyramide auf.

Eines darf jedoch nicht verheimlicht werden: Das Greenfee für eine 18-Loch Runde auf dem „Laranjal“ ist kein Schnäppchen, muss es aber bei dem wirklich exzellenten Pflegezustand und des Service auch nicht sein. In der Hochsaison werden für externe Gastspieler gut 120 Euro fällig, in der Low Season (Sommer- und Wintermonate) immer noch um die 100 Euro. Ein eventuelles Cart schlägt gesondert ins Kontor. Mitunter werden aber ‚Summer Special’-Preise geboten: Zwei Spieler inklusive eines Carts für z.B. 190 Euro – viel weniger wird es aber kaum.

Platzdaten

Laranjal Golf Course
Quinta do Lago
8135-024 Almancil
Algarve – Portugal

Telefon: +351 289 390 700

Website: www.quintadolago.com/en/golf

Platzdesign: Jorge Santana da Silva

Hcp-Beschränkungen: H 28, D 36 – Reservierung von Startzeiten empfohlen.

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Text und Fotos: Thomas Klages

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